Tagung 2025 in Wuppertal: "Stadt für Menschen - Räume entwickeln, Veränderung gestalten"
Die 2. Jahrestagung des Netzwerk Stadtentwicklung NRW hat am 17./18. Juni 2025 in der Alten Papierfabrik Wuppertal stattgefunden. Über 200 Teilnehmende befassten sich mit den vielfältigen Herausforderungen und passenden Lösungsansätzen in der Stadtentwicklung. Die Tagung stand unter dem Motto: „„Stadt für Menschen – Räume entwickeln, Veränderung gestalten“.
Tag 1 - Exkursionen, Fachdialog & Keynote
Exkursion 1: Stadtspaziergang im Quartier Oberbarmen/Wichlinghausen mit soziokultureller Perspektive
Oberbarmen mit dem Kernbereich Berliner Straße/Berliner Platz ist ein dicht bebautes Quartier mit einer Mischung aus Wohnen und Gewerbe. Einkommensarmut, eine hohe Verkehrsdichte, ein Mangel an Grün- und Freiflächen sowie an Spiel- und Sportmöglichkeiten sind die Herausforderungen vor Ort. Etwa 38.000 Menschen leben hier, von 2016 bis 2023 wurden knapp 15 Mio. Euro in bauliche Maßnahmen investiert.
Die Exkursion der Arbeitsgemeinschaft Soziale Stadt wurde moderiert von Daniela Raimund und Roland Brus vom Verein Färberei e. V. Dieser setzt u. a. mit dem Projekt transit Oberbarmen zahlreiche Veranstaltungen und Projekte im Stadtteil um und steht im regen Austausch mit dem Quartiersbüro VierZwoZwo.
Exkursion 2: Innenentwicklung im Quartier Arrenberg
In Arrenberg im Wuppertaler Stadtbezirk Elberfeld-West hat sich in den vergangenen Jahren beidseits der Wupper viel getan: Projekte wie die Umnutzung der ehemaligen ELBA-Fabrik, die Umwandlung von Teilen des Sauerbruch-Klinikums zu Wohn- und Gewerbeflächen, die Arrenbergschen Höfe, oder das Bestreben zur Wiederherstellung von Wegeverbindungen entlang der Wupper boten im Rahmen der Fuß-Exkursion facettenreiche Einblicke in vergangene und aktuelle Innenentwicklungsprojekte im Quartier und die damit verbundenen Herausforderungen und Strategien der Wuppertaler Stadtentwicklung.
Die Exkursion der AG Baulandmanagement wurde begleitet von Thomas Seck aus dem Ressort Stadtentwicklung und Städtebau der Stadt Wuppertal.
Exkursion 3: Umgang mit Problemimmobilien (Wichlinghausen-Süd)
Baulich vernachlässigte und fehlgenutzte Immobilien können die Lebensqualität und das Image einzelner Nachbarschaften oder ganzer Quartiere erheblich beeinträchtigen. Die Behebung der zumeist privat verursachten Missstände liegt im öffentlichen Interesse. Sie erfordert die Anwendung restriktiver Instrumente durch eine verwaltungsintern gut abgestimmte und dauerhaft angelegte Zusammenarbeit.
Die Exkursion der AG Stadtumbau führte die Teilnehmenden zu unterschiedlich gelagerten Problemimmobilien im Quartier Wichlinghausen-Süd. Geleitet wurde die Exkursion von Marion Kamp-Murböck von der Fachberatung der AG Stadtumbau und Nikolai Spies, der im Ressort Stadtentwicklung und Städtebau der Stadt Wuppertal tätig ist.
Exkursion 4: Die Wuppertaler Innenstadt (Elberfeld) - Öffentlicher Raum im Wandel
Wie verändert sich der öffentliche Raum, wenn Städte neuen Herausforderungen begegnen? Die Exkursion der AG Innenstadt erkundete Orte, an denen Stadtentwicklung zwischen Baustellen, Beteiligung und Perspektiven für den öffentlichen Raum sichtbar und erlebbar wird – vom neu gestalteten Von-der-Heydt-Platz über kreative Nutzungsideen für den leeren Kaufhof sowie für den Platz am Kolk im Rahmen des Projekts „Innenstadt-Band“ bis zum Umbau am Döppersberg, wo aus einem Verkehrsknoten ein modernes Entrée zur Innenstadt entsteht.
Die Exkursion wurde begleitet von Sven Macdonald, Abteilungsleiter Stadtentwicklung der Stadt Wuppertal, sowie Tobias Ringel, Mitarbeiter in der Abteilung Stadtentwicklung der Stadt Wuppertal.
Fachdialog: Von der Andacht zum Alltag - kirchliche Immobilien im Wandel der Zeit
Wenn Kirchengebäude aufgegeben werden, stehen Kommunen vor schwierigen Fragen. Denn eine Nachnutzung für Kirchengebäude zu finden, ist nicht nur aufgrund der besonderen Gebäudestruktur und Bausubstanz eine Herausforderung.
Wie lässt sich der Prozess vorausschauend gestalten? Wie gelingt die sensible Kommunikation mit der Öffentlichkeit? Welche Modelle für Betrieb und Nutzung sind zukunftsfähig? Anhand konkreter Praxisbeispiele beleuchtete der Fachdialog der AG Historische Stadt- und Ortskerne Lösungsansätze für diese Fragen. Als Referierende agierten Apl. Prof. Dr. Stefanie Lieb, Universität zu Köln, Kunsthistorisches Institut/Abteilung Architekturgeschichte und Johann Weiss, Universität Regensburg, Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft.
Keynote: "RaumGerechtigkeit statt Transformation - Geht da mehr?"
Prof. Hilmar von Lojewski, Deutscher Städtetag und Städtetag NRW, Beigeordneter, Leiter des Dezernats V - Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr
Prof. von Lojewski hielt fest, „dass wir in puncto Transformation von Räumen in einen Stillstand laufen bzw. schon in einem Rollback begriffen sind“. Es gelte, nach neuen Wegen zu suchen, Stillstand aufzulösen und den Rollback umzukehren. Dafür brauche es womöglich andere Begrifflichkeiten als „Wende“ und „Transformation“.
Denn, so Lojewski: „Transformations- und Wendeparadigmen führen in den Stillstand und die Ablehnung von Veränderung“. Geeigneter erscheine das Leitbild von Flächen-, Wohn-, Verkehrs- und Aufenthaltsgerechtigkeit, um Stillstand aufzulösen und Rollback zu vermeiden. „Bilder der Veränderung, die anpassbar sind für Einreden, Veränderungsbedarfe und fortlaufende Aktualisierungen“ seien geeigneter, Veränderungswillen zu befördern. „Vielleicht müssen wir das Paradigma ‚Gerechtigkeit‘ voranstellen, das verstehen alle.“
Podiumsdiskussion zur Keynote
Teilnehmende:
Michaela Röbke, Stv. Vorstand AG Stadtumbau, Leiterin des Dezernats für Stadtentwicklung, Bauen, Umwelt, Mobilität der Stadt Arnsberg
Sven Macdonald, Abteilungsleiter Stadtentwicklung der Stadt Wuppertal
Prof. Hilmar von Lojewski
Klaus Austermann, Vorstandsmitglied NWSE NRW, Ministerialdirigent im MHKBD NRW
Unter der Leitung von Moderatorin Edda Dammmüller vertiefte eine Talkrunde die Keynote von Prof. Lojewski. Klaus Austermann unterstrich gleich zu Beginn, er sei „ein Fan des NWSE NRW“: „Die Bandbreite der behandelten Themen in dieser Detailschärfe sucht ihresgleichen.“
Einen Kernpunkt des Vortrages von Lojewski teilte er ausdrücklich: „Prägnante und adressatengerechte Kommunikation in der Planung ist grundsätzlich ausbaufähig.“ Sven MacDonald bestätigte dies: „Es gibt eine sehr spezifische Fachsprache.“ Hilmar von Lojewski führte das auch auf folgenden Umstand zurück: „Einerseits sind Planer oft bescheiden unterwegs, andererseits glaubt man, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.“ Michaela Röbke ergänzte: Man könne zwar nie alle erreichen, „aber man muss es versuchen, mit verschiedenen Formaten und Ansprachen versuchen“. Neben der Sprache gehe es dabei auch darum, einen Ausgleich in der Stadtgesellschaft zu finden – auch durch geeignete Beteiligungsformate.
Tag 2 - Vorträge, Projektbeispiele, Panels
Der zweite Tag war gegliedert durch zwei „Intervalle“, die anhand von Impulsvorträgen und Projektbeispielen der Frage nachgingen, wie wir in der gebauten,
belebten Umwelt „Räume entwickeln“ sowie durch smarte Prozesse und andere Instrumente „Veränderung gestalten“ können.
Intervall "Räume entwickeln"
"Ganzheitliche Mobilitätsplanung am Bei- spiel der Mobilitätsstation Bachplätzchen"
Rolf Neumann, Geschäftsführer der Connected Mobility Düsseldorf GmbH
Die Mobilitätstation Bachplätzchen ist die größte Mobilitätsstation der Stadt Düsseldorf, so Neumann. Sie sei „ein Paradebeispiel für die Entwicklung eines vom Auto geprägten Kreuzungsbereiches hin zu einem multi-funktionalen Zukunftsort“. Sie zeige zudem, wie urbane Mobilität neu gedacht und integriert umgesetzt werden könne. Neben Mobilitätsangeboten wie Leih-Fahrrädern, E-Scootern und Carsharing wurde zugleich die Aufenthaltsqualität des Platzes verbessert.
Auch die Verkehrsführung um den Platz herum wurde in Punkto Fuß- und Radverkehrssicherheit optimiert. „Dabei wurden die lokalen Stakeholder im gesamten Planungs- und Umsetzungsprozess mit eingebunden, um eine möglichst bedarfsgerechte Umsetzung sicherzustellen.“ Denn ganzheitliche Mobilitätsplanung, so Neumann, „geht über die Verankerung von Mobilität im öffentlichen Raum hinaus“.
"Umgestaltung der Rathausstraße im historischen Stadtkern Rietberg"
Herr Ropinski skizzierte das Vorgehen zur Umgestaltung der Rathausstraße unter Einbeziehung eines freiraumplanerischen Wettbewerbes. Die angestrebte Umgestaltung sei ein wesentlicher Beitrag zur Attraktivitätssteigerung des historischen Stadtkernes. „Der Blick von außen, eine andere Betrachtungsweise in Form externer Expertise – „out oft he box“ – war uns wichtig.“ Ein Ziel der Umgestaltungsmaßnahme sei dabei, nur noch Ziel- und Quellverkehr in der Rathausstraße zuzulassen.“
Da Veränderungen „vor allem im Kopf stattfinden“, sei die Hauptstoßrichtung in Bezug auf den Realisierungsprozess gewesen, „viel Transparenz zu schaffen und so viel zu informieren wie es geht“. Denn: „Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erfordern ein stetiges und intensives Kommunikationskonzept, um zur Zielerreichung beizutragen.“
Diskussion zum Intervall "Räume entwickeln"
Teilnehmende an der Podiumsdiskussion
Rolf Neumann, Geschäftsführer der Connected Mobility Düsseldorf GmbH
Rüdiger Ropinski, Leiter Stadtentwicklung der Stadt Rietberg
Im Anschluss an ihre Vorträge bat Moderatorin Edda Dammmüller Rolf Neumann und Rüdiger Ropinski zum Gespräch. Von Ropinski wollte sie wissen, ob durch die Auswirkungen der Baustelle Einzelhandel in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Ropinski verneinte das: „Im Gegenteil – wir haben sogar Neugründungen zu verzeichnen.“ In Bezug auf wegfallende PKW-Stellplätze fügte er hinzu: „Die Diskussion um Stellplätze ist eine sehr schwierige. Aber es ist uns gelungen, sie erfolgreich zu gestalten – durch eine intensive Beteiligung.“
„Das ist in Düsseldorf ein riesiges Problem“, ergänzte Neumann. Düsseldorf sei als autofreundliche Stadt gebaut und die Menschen hätten sich daran gewöhnt. Aber: „Car-Sharing rechnen wir gar nicht als Parkplatzwegnahme.“ Und das Car-Sharing-Angebot würde auch gut angenommen. Anders sähe es bei den Fahrrädern aus: „Wir haben eine repräsentative Umfrage gemacht zum Thema Bike-Sharing: Den Menschen in Düsseldorf ist das eigene Fahrrad viel lieber als ein geteiltes – der Wunsch, ein eigenes Lastenfahrrad zu haben, ist bei den Düsseldorfern sehr stark.“
Intervall "Veränderung gestalten"
"Stadtmanagement für urbane Transformation: Change Management und Storytelling als Impulse für innovative Prozessgestaltung"
Dipl.-Ing. Lisa Nieße, Gast-Professorin für Stadtmanagement an der Uni Kassel, Mitinhaberin Planungsbüro planzwei, Hannover
„Städte werden von Menschen gemacht. Wie organisieren wir, dass sie auch für Menschen gemacht sind?“ – diese Frage stellte Professorin Nieße eingangs. Und: Wie könne es gelinge, „Zukunftsbilder zu entwickeln, die nicht nur motivieren, sondern auch gemeinsames Handeln in Bewegung setzen?“ Die Transformation urbaner Räume erfordere mehr als planerisches Wissen – sie brauche handlungsfähige Akteur*innen, die Veränderung aktiv gestalten.
Sie vermittele praxisnah, wie Städte – insbesondere kleinere Kommunen – soziale, räumliche und infrastrukturelle Prozesse verstehen und steuern können. „Im Fokus stehen Methoden des Change Managements, die Umsetzungslücken sichtbar machen und neue Narrative entwickeln helfen.“ Transformation werde dabei als tiefgreifender, nichtlinearer Wandel begriffen, der kulturelle, symbolische und soziale Dimensionen einschließe. Ziel sei es, „Studierende zu befähigen, urbane Veränderungen als kooperative, gestaltbare Prozesse zu begreifen – und mitzugestalten“.
"Die Bahnstadt Heidelberg"
Christoph Czolbe, Stadtplanungsamt der Stadt Heidelberg
Seit 2008 entstehe auf dem Areal des ehemaligen Güter- und Rangierbahnhofs Heidelbergs 15. Stadtteil: die Bahnstadt, erläuterte Czolbe zu Beginn. „Auf 100 Hektar werden Wohnungen für 7.000 Menschen errichtet, 5.000 Arbeitsplätze sollen entstehen.“ Das vorangegangene Heidelberger Großprojekt – der Bau der Großwohnsiedlung Emmertsgrund – habe bei Beginn der Planungen ein Vierteljahrhundert zurückgelegen. „Entsprechend mussten die komplexen Arbeitsstrukturen, die für den Erfolg großmaßstäblicher Projekte erforderlich sind, innerhalb der Verwaltung erst wieder aufgebaut und in der Praxis geübt werden.“
Anhand von Beispielen in der Bahnstadt illustrierte Czolbe vier der Erfolgsfaktoren, die für das Gelingen von städtebaulichen Großprojekten wichtig sind: 1. Planung als fortwährenden Prozess zu begreifen, der nicht mit Beginn der Umsetzung endet, 2. sich durch einen mit externer Expertise besetzten Fachbeirat bei Grundsatzentscheidungen beraten zu lassen, 3. insbesondere für den öffentlichen Raum frühzeitig ganzheitliche Konzepte zu entwickeln und diese in Bilder zu übertragen und 4. die Bürgerschaft zielorientiert einzubinden.
"Ein neues Modell für Planungprozesse in Königswinter"
Fabiano Pinto, Technischer Beigeordneter der Stadt Königswinter
Es gebe in Fragen der Stadtentwicklung und des Bauens selten ein „eindeutig richtig oder falsch“, hielt Pinto eingangs fest. Deshalb werde darüber gerne kontrovers und emotional diskutiert. „Um in der Bauleitplanung wirkungsvoll und stabil zu sein, braucht es vorher kreatives Spiel und konstruktive Kommunikation.“ Denn ohne ein städtebauliches Ziel sei der beste Prozess nutzlos. „Kreativer Städtebau braucht Offenheit, das Spielen mit Varianten und das Mitnehmen einer interessierten Öffentlichkeit.“ Der Königswinterer Vorprozess wolle diese Freiräume in einer eigenen Vorphase anbieten.
„Bauleitplanung ist wie Heiraten“, sagte Pinto, der Vorprozess in Königswinter sei wie eine Verlobung: „Alle meinen es durchaus ernst, aber man probiert sich vorher gemeinsam an der Aufgabe aus.“ Klärungen und Kurskorrekturen im Bauleitplanverfahren seien immer nötig , aber oft aufwändig. „Eine Klärung im Vorprozess erhöht die Chancen auf frühzeitigen Konsens und Stabilität“.“
Panels
Als aktivierende Arbeitsphase in kleineren Gruppe fanden zwischen den Impulsen und Projektbeispielen 3 Panels statt, die gemeinsam von den Arbeitsgemeinschaften organisiert worden waren. Sie beschäftigten sich intensiv mit Themen wie Prozessteuerung, Eigentümermobilisierung und Beteiligung.
Panel 1: Prozesse steuern und begleiten
Teilnehmende an der Podiumsdiskussion:
Ingrid Groenewegen-van den Hul, Expertin für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Deutschland, Groenewegen NL-D Consulting und Lw|c Associates
Joachim Krafzik, Leiter Fachdienst Stadtplanung, Stadt Gronau
Rüdiger Ropinski, Abteilungsleiter für Stadtentwicklung bei der Stadt Rietberg
Klaus Zimmermann – Fachbereichsleiter Tiefbau und Immobilienmanagement der Stadt Detmold
Ein Konsens war im Panel 1 schnell ausgemacht: Alle Kommunen stehen bei der Planung ihrer städtebaulichen Projekte vor vielfältigen Herausforderungen, insbesondere wenn die personellen Ressourcen begrenzt sind. Daher sind klare Verfahren und gut strukturierte verwaltungsinterne Abläufe unerlässlich, um komplexe Planungsprozesse effizient und nachvollziehbar zu gestalten.
Klaus Zimmermann illustrierte, dass hinsichtlich der Umgestaltung des Detmolder Marktplatzes viele Akteure hätten eingebunden werden müssen. Dabei habe man viel Verbindlichkeit in den Gesprächen an den Tag gelegt, um die Aufgaben optimal zu verteilen. Rüdiger Ropinski berichtete, dass in einer vergleichsweise kleinen Verwaltung wie in Rietberg vieles einfacher sei, weil man einen relativ „kurzen Draht“ nutzen könne und die Dienstwege nicht immer perfekt eingehalten werden müssten. Auch Joachim Krafzik fand die verwaltungsinterne Kommunikation, die seines Erachtens nicht immer entlang von Hierarchien betrieben werden müsse, sehr wichtig. Ingrid Groenewegen-van den Hul ergänzte, dass das Projektmanagementdenken und die Koordination in den Niederlanden stärker entwickelt sei. Die Zukunft liege im Austausch und der Vernetzung zwischen Behörden und Stakeholdern.
Panel 2: Eigentümer mobilisieren
Vortragende und Diskutanten:
Frank Heinze, Heinze und Partner, Strategie- und Organisationsberater
Jonas Schwarz, Projektmanagement, NRW.URBAN
Jan Schmitz, Stadt Mönchengladbach, Fachbereich Stadtentwicklung und Planung
Stefan Sturm, Quartiersmanagement Gladbach & Westend
Frank Heinze erläuterte eingangs einen Ansatz zur zielgerichteten Aktivierung, der auf einer Differenzierung von Eigentümertypen aufbaut. Sind es eher lokal oder regional verankerte Eigentümerinnen und Eigentümer? Sind es Privatleute oder handelt es sich beispielsweise um ein Kreditinstitut?
Jan Schmitz und Stefan Sturm berichteten von ihren Erfahrungen im Soziale Stadt-Gebiet Gladbach und Westend. Die Analyse der Eigentümerstrukturen ergaben hier, dass der Bestand zu über zwei Dritteln Privaten gehört. Diese seien am besten durch niedrigschwellige Ansprache zu erreichen. Die Aktivierung wird in Mönchengladbach vorrangig durch die Mitarbeitenden des Quartiersmanagements (QM) übernommen. Das QM tritt dabei eher in der Rolle des Ermöglichers auf.
Jonas Schwarz bestätigte den Erfolg einer niederschwelligen Ansprache anhand der Erfahrungen, die NRW.URBAN im Rahmen des Instrumentes Bau.Land.Partner gemacht hat. Dieses Instrument ist Teil der Landesinitiative Bau.Land.Leben und dient der Aktivierung von Bauland mit dem Ziel der Innenentwicklung. Die Erschließung der Bauflächen soll im Einvernehmen mit den Eigentümerinnen und Eigentümern erfolgen, so dass diese in den Prozess aktiv eingebunden werden.
Panel 3: Beteiligung steuern und verankern
Vortragende und Diskutanten:
Mara Brinkmann, Referentin für Bürgerbeteiligung, Stadt Wuppertal
Marion Dirks, Bürgermeisterin der Stadt Billerbeck
Mara Brinkmann berichtete zu Beginn, dass die Stadt Wuppertal seit 2017 Leitlinien für eine erfolgreiche Bürgerbeteiligung habe. Ein Beirat für Bürgerbeteiligung wurde im Anschluss daran eingerichtet und nahm am 20. Juni 2018 seine Arbeit auf. Die Leitlinien sähen u. a. vor, dass es einen Beirat mit Einwohnenden, der Politik und der Verwaltung geben soll, der für eine ordentliche Implementierung der Leitlinien sorge. Zudem greife der Beirat auch Impulse aus der Bürgerschaft auf. Die Stadt Wuppertal achte auf eine breite Bürgerbeteiligung und gehe dafür auch gezielt an Schulen, werbe im öffentlichen Raum und verfüge über ein eigenes Beteiligungsportal.
Anschließend stellte Marion Dirks die Strategien und Erfahrungen aus ihrer Stadt vor. Billerbeck ist eine kleine relativ wohlhabende Stadt im Münsterland, in der die Bürgerinnen und Bürger hohe Ansprüche hätten. Bürgerbeteiligung, so Dirks, sei hier Beziehungsarbeit, bei der Vertrauen durch Nähe, Transparenz und Kontinuität entstehe. Die Entscheidungen der Verwaltung würden dabei durchaus anerkannt. Jedoch sei in Billerbeck die relative Nähe Chance und Belastung zugleich, da sie zwar zu schnelleren Entscheidungen führe, es aber auch weniger Ressourcen und Personal gebe. Zudem könne es schnell zu Rollenkonflikten zwischen Leitung und Moderation bei Veranstaltungen kommen.
Abschlussgespräch
Dr. Timo Munzinger, Referent beim Deutschen Städtetag und beim Städtetag NRW
Christian Meyer, Vorstandmitglied NWSE NRW, Ministerialrat im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen
Eliza Diekmann-Cloppenburg, Stellv. Vorstand der AG Innenstadt, Bürgermeisterin der Stadt Coesfeld
Eliza Diekmann-Cloppenburg hielt zu Anfang fest, dass die Tagung einmal mehr gezeigt habe, „wie extrem wichtig es ist, sich miteinander zu unterhalten und zu netzwerken“. Sie persönlich nähme jedenfalls „viel mit“. Das neu aufgestellte Netzwerk Stadtentwicklung NRW werde immer mehr mit Leben gefüllt, „uns das hilft allen sehr – auch und vor allem den Kommunen“:
Timo Munzinger unterstrich die Wichtigkeit des Austausches. Eine der drei wichtigsten Aufgaben des Städtetages sei der der Erfahrungsaustausch zwischen Amtsleitern und Dezernentinnen. „Wir versuchen das zu ergänzen und zu verzahnen.“ Lernen könne man auch aus Fehlern, man müsse „die Dinge beim Namen nennen“.
Christian Meyer charakterisierte die Tagung als „einen tiefen Blick in die Praxis“. Im Ministerium habe man häufig mit Problemfällen zu tun und sieht die vielen gelungenen fertiggestellten Maßnahmen zu selten“. Der Verlauf und die Inhalte der Tagung hätten einmal mehr seine Überzeugung unterstrichen, wie zentral Optimismus in der Planung sei: „Man muss sich trauen, Dinge zu gestalten.“